AdP e.V. Bauchspeicheldrüsenerkrankte

Pankreas im Schlosspark

10.05.2010 - BIEBRICH

BAUCHSPEICHELDRÜSE Treffen von 160 Patienten/Lob für Paulinenklinik

(IS). Der Weg zur Rotunde des Biebricher Schlosses führte an einem überlebensgroßen Pankreasmodell vorbei. Es zeigte eindrucksvoll die Bauchspeicheldrüse im Zusammenspiel mit umliegenden Organen, Darm und Leber, sowie den angrenzenden Muskeln und Blutgefäßen. Aufgestellt wurde das Modell zur Tagung des Arbeitskreises der Pankreatektomierten. Nach Biebrich kamen 160 Patienten, denen die Bauchspeicheldrüse entfernt wurde. Nach einer Krebserkrankung oder einer chronischen Entzündung des Drüsenorgans.

Der Arbeitskreis lud zum Bundestreffen ins Biebricher Schloss ein. Wie der Vorsitzende Jürgen Kleeberg erklärte, suchte man sich diesen Tagungsort aus, weil Wiesbaden mit der Asklepios Paulinen Klinik (APK) ein "hervorragendes Pankreaszentrum besitzt, das interdisziplinär mit einer Mainzer Klinik zusammenarbeitet". Kleeberg verwies auf Professor Dr. Karl Heinrich Link, Direktor des Chirurgischen Zentrums an der APK. Link sei mit mehr als 130 in Wiesbaden und über 150 an der Universität Ulm durchgeführten chirurgischen Entfernungen der Bauspeicheldrüse ein "ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Pankreaschirurgie". Link wirkte federführend an einer internationalen Studie mit, in der die Überlebenszeiten und Fünf-Jahres-Überlebensraten nach einer Pankreas-Entfernung fast verdoppelt wurden. Die Studienergebnisse wurden im Biebricher Schloss präsentiert.

Auch die Patienten sind zu Experten ihrer Krankheit geworden: Das war aus den Fragen herauszuhören, die sie Professor Dr. Wolfgang Dippold stellten. Dippold ist Chefarzt der Inneren Medizin am Vinzenz- und Elisabeth-Krankenhaus Mainz und internistischer Spezialist für Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen. Er stellte Neues in Sachen Vitamin D vor. Mit einer Entfernung des Organs und den sogenannten Langerhans-Inseln werden die Hormone Insulin und Glukagon nicht mehr gebildet. Die Aufnahme fettlöslicher Vitamine ist gefährdet. Was Vitamin D angeht, so trat Dippold der Annahme entgegen, es könne Bauchspeicheldrüsen-Erkrankten nur in hohen Dosen gespritzt werden: "Orale Einnahme kann so wirksam sein wie die Spritzentherapie."

Der wissenschaftlicher Kooperationspartner von Professor Link stellte den aktuellen Stand der Chemo-, Strahlen- und Antikörpertherapie dar. Zum Thema Früherkennung wurde von Professor Dr. Klaus Dommisch, Universität Ros-tock/Schwerin, neueste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt präsentiert. Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht lange keine Beschwerden oder solche, die wenig charakteristisch sind. Wie Schmerzen im Oberbauch und im Rücken. Klare Symptome treten erst auf, wenn der Tumor so groß geworden ist, dass er die Produktion der Verdauungsenzyme oder deren Abfluss in den Zwölffingerdarm verhindert. Die Tagung wurde vom Arbeitskreis der Pankreatektomierten, der Asklepios Paulinen Klinik und der Hessischen Krebsgesellschaft organisiert und von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Quelle: Wiesbadener Tageblatt 10-05-2010

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