AdP e.V. Bauchspeicheldrüsenerkrankte

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Bericht über das Arzt-Patienten-Seminar

"Pankreaserkrankungen"

im Universitätsklinikum Mannheim

Am 26. Oktober 2002 veranstaltete die Chirurgische Klinik und die II. Medizinische Klinik des Universitätsklinikums Mannheim unter Mitwirkung des AdP ein Arzt-Patienten-Seminar über die Diagnostik und Therapie sowohl gutartiger wie bösartiger Bauchspeicheldrüsenerkrankungen.

Welch großer Bedarf an derartigen Veranstaltungen besteht, wurde sehr schnell klar. Schon lange vor dem offiziellem Beginn hatte sich der Hörsaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Gestärkt durch einen Stehimbiss mit lecker belegten Brötchen und Süßstückchen wurde die Veranstaltung sogleich durch den Direktor der Chirurgischen Klinik, Herrn Prof. Dr. S. Post, eröffnet.
Nach einem kurzen Grußwort übergab er das Mikrofon an den Kontaktstellenkoordinator des Arbeitskreises der Pankreatektomierten (Bauchspeicheldrüsenoperierten), Herrn Manfred Lechner.

Dieser stellte in knappen Worten das Betätigungsfeld des AdP sowohl auf regionaler wie auch bundesweiter Ebene und seine Hilfsmöglichkeiten für Bauchspeicheldrüsen-Patienten dar. Außerdem begrüßte er die Einführung derartiger Seminare und unterstrich die Notwendigkeit einer umfangreichen Aufklärung und Information des an der Bauchspeicheldrüse Operierten. Die eigentlichen Probleme gehen für viele derartige Patienten nämlich oft erst nach der Operation los. Außerdem verwies er auf die seit kurzem gegründete Regionale Kontaktstelle Heidelberg/Mannheim/Kaiserslautern, an die sich Patienten, die Rat und Gleichgesinnte in unmittelbarer Nähe suchen, wenden können. Mit einer Präsentationswand und Informationsblättern zum AdP wurde es der Betreuerin dieser Kontaktstelle, Frau Tanja Zimpel ermöglicht, sich vorzustellen.

Weiter ging es mit der Vorstellung der Diagnostik- und Therapiekapazitäten der Chirurgischen Klinik und der II. Medizinischen Klinik durch die jeweiligen Direktoren, Herrn Prof. Dr. S. Post und Herrn Prof. Dr. M. V. Singer, mit Darstellung von Neuheiten wie der Kapsel-Video-Enteroskopie, das MARS®-System zur Behandlung von Patienten mit Leberversagen und der Feststellung, dass sich die Rhein-Neckar-Region mit den Standorten Heidelberg und Mannheim als High-Volume Zentrum in der Pankreasbehandlung bezeichnen darf.

Der erste große Themenblock beinhaltete dann die Diagnostik und Therapie des Pankreas-Karzinoms.
Es wurde auf die Neuerungen in der Pankreaschirurgie (Bsp.: Pyloruserhaltende Duodenopankreatektomie in Vergleich zu der heute nur noch seltener durchgeführten Klassischen Whipple-Op, weniger Bluttransfusionen, kürzere OP-Zeiten, etc.) und der damit verbundenen sinkenden Sterblichkeit und sinkenden Komplikationsrate im Rahmen der Operation hingewiesen. Deshalb könnten heute auch ältere Menschen über 70 Jahren grundsätzlich an der Bauchspeicheldrüse operiert werden.
Bezugnehmend auf Zusatzmaßnahmen zur Operation (Chemotherapie oder Bestrahlung) wurde eingeräumt, dass es noch nicht erwiesen sei, dass dadurch ein besseres Benefit wie durch Operation  alleine erzielt würde. Heilung des Pankreas-Karzinoms sei weiterhin nur durch eine Operation zu erreichen, was eine rechtzeitige Früherkennung des Tumors  zwingend notwendig mache.
In diesem Zusammenhang hob Prof. Dr. Post die sogenannte All-in-one-Magnetresonanztomographie (Kernspin des Bauchraumes, Darstellung der Gefäße im Kernspin und Darstellung der kleinsten Gallengänge durch Kerspin) hervor. Diese Untersuchung kann ohne das Schlucken eines Endoskopie-Schlauches und ohne eine aufwendige Angiographie drei sehr aussagekräftige Untersuchungen in sich vereinen.
Von Herrn Dr. Niedergethmann wurde der Krankenhausaufenthalt nach einer Pankreas Operation skizziert und die Verbindung der Bauchspeicheldrüse mit dem Darm als die Archillessehne dieser Operation dargestellt. Außerdem wurde auf eine Broschüre der Chirurgie hingewiesen, die dem Patienten in der ersten Zeit nach der Operation weiterhelfen könne. Auch wurde auf das Vorhandensein einer chirurgischen Ernährungsambulanz sowie einer onkologischen Ambulanz hingewiesen, an die sich die Patienten wenden können.

Der nächste Themenblock, welcher sich durch das interessierte Nachfragen der Seminarbesucher schon ziemlich nach hinten verschoben hatte, widmete sich der Behandlung der chron. Pankreatitis.
Prof. Singer schilderte ausführlichst die internistische Therapie der Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie die Wichtigkeit der Enzymsubstitution. Auch wurde auf die Verwendung des Vitaminpräparates ADEK-Falk eingegangen, von welchem Herr Prof. Dr. F. Willig berichtete, dass es im Sommer 2003 aus dem Handel genommen wird und vor 2004 kein Ersatzpräparat zu erwarten sei. Außerdem wurde dieses Medikament auf eine Negativliste gesetzt, was bedeutet, daß die Kassen es nicht mehr bezahlen werden. Aufgrund der Zentralität seines Themas konnte Herr Prof. Singer sich kaum der Nachfragen aus dem Auditorium erwähren und eine ausführliche Gesprächsrunde war die Folge.
Nachdem fast alle Fragen beantwortet werden konnten, schloss sich der Vortrag von Herrn Dr. Rabensteins an, welcher die verschiedenen Formen der Steinextraktion bei Pankreaolithiasis (Pankreassteine) in Wort und Bild darstellte. Auch die endoskopische Stent-Einlage, sowie die unterschiedlichen Verwendungen von Metall- und Plastik-Stens wurden dem Zuhörer verständlich gemacht.
Zum Abschluss dieses Themenblocks referierte PD Dr. Willeke über die chirurgischen Therapieinterventionen, die vereinfacht gesagt, sehr oft der Schmerzreduktion dienen. Dem Besucher wurde der Unterschied im Verfahren und der Auswahl einer Drainageoperation im Vergleich zu resezierenden Operationen erläutert. Der Bogen zu den Ausführungen von Herr Prof. Singer wurde dann durch die Ergebnisse einer Operation gespannt, welche meistens zur Schmerzkontrolle, jedoch auch oft zur Diabetes-Induktion und zur Fettstuhlentwicklung führen. An diesem Punkt setzt dann wieder die internistische Therapie an.

Über die palliative Therapie des Pankreas-Karzinoms berichtete Herr Dr. Hummel. Erfreulicherweise konnte er einige in der Zukunft sehr vielversprechende Perspektiven aufzeigen, beispielsweise auf dem Gebiet der Gentherapie, in der Verwendung der sogenannten magischen Kugeln ( Cap Cells® ). Auch von einer Studiengruppe "Pankreas" um Herrn Prof. Dr. M. Löhr (Leiter der Sektion Molekulare Gastroenterologie Mannheim) wurde berichtet ebenso wie vom Onkologischen Arbeitskreis, welcher immer dienstags tage und eine Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen darstelle.
Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass die momentan zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren inoperabler  und fortgeschrittener Pankreas-Tumoren, wie beispielsweise eine Chemotherapie mit Gemcitabine, nur der reinen Palliation dienen und kaum eine substantielle Tumorreduktion zur Folge hätten. Auch die Strahlentherapie spiele nur eine untergeordnete Rolle, beispielsweise  zur Schmerztherapie bei Knochenmetastasen. Der Nutzen von lokoregionalen Chemotherapien oder kombinierten Radiochemotherapien  wurde als noch nicht erwiesen deklariert. Derartige Ausführungen empfanden natürlich akut am Pankreas-Karzinom erkrankte und inoperable Patienten als sehr deprimierend.

Der Thematik ernährungsphysiologischer und diabetologischer Aspekte widmete sich Frau Haueis, Diätassistentin der V. Medizinischen Klinik. Da ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den Diabetesformen des Typ I und Typ II Diabetes und dem pankreopriven Diabetes von Bauchspeicheldrüsenoperierten besteht, wurde zunächst auf die besondere diabetische Situation der Pankreatektomierten eingegangen. Neben einem Vorsorgekonzept zwecks Früherkennung von Diabetesspätfolgen wurde der Einsatz von MCT-Fetten und Vitaminzulagen erläutert.

Die Einbeziehung der Traditionellen chinesischen Medizin im Rahmen des Onkologischen Gesamtkonzeptes wurde von Frau Dr. Lötzerich dargestellt. Sie verwies auf die enorme Erfahrung dieser Medizinform durch deren jahrhundertlange Existenz, gab jedoch auch zu bedenken, dass der Patient sich vor Scharlatanerie durch Informationseinholung schützen müsse. Weiter erwähnte sie Verfahren wie Qi Gong, Akupunktur oder auch die Heilkräutermedizin und forderte die diejenigen Schulmediziner, die sich gegen derartige Therapieformen allzusehr sträubten, dazu auf, umzudenken und sich der TCM zu öffnen.

Mit enormer zeitlicher Verspätung, jedoch mit vielen angeregten Diskussionen zwischen den referierenden Ärzten und den Seminarbesuchern, ging dieses erste Arzt-Patienten-Seminar in Mannheim nach einem Schlusswort von Herrn Prof. Dr. Post zu Ende. Alle Beteiligten waren sich einig, dass das rege Interesse und der große Zuspruch auf dieses Seminar Anlass genug für eine nächstjährige Weiterführung dieser Veranstaltung seien.
Allerdings sollte man den zeitlichen Spielraum für Patientenfragen großzügiger bemessen und eventuell die Vorträge in ihrer Anzahl etwas zurückschrauben.

Bericht: Tanja Zimpel
Kontaktstellenleiterin
AdP-Kontaktstelle 69

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