Erfahrung senkt Risiko – Chirurg Prof. Dr. Markus Büchler …

Als das Tonband schon lang aus ist, erzählt Prof. Dr. Markus Büchler, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg, im Interview mit unserer Zeitung, warum Bauchspeicheldrüsen- Operationen für Chirurgen etwas ganz Besonderes sind: „Bauchspeicheldrüsen-OPs sind der Cadillac unter den chirurgischen Eingriffen“, zitiert der 63-Jährige den Pionier der Bauchspeicheldrüsen- OPs, Allen Whipple.

Das bedeutet: Vielen Kliniken geht es bei den Eingriffen ums Prestige. Geld, sagt Büchler, können sie damit nicht verdienen. Im Gegenteil: Die OPs sind finanziell sehr riskant, und vor allem sind Patienten gefährdet, wenn die Klinik nicht über ausreichend Erfahrung verfügt. Umso erstaunlicher ist es auch für Büchler, dessen Team deutschlandweit mit mehr als 800 Eingriffen die meisten Bauchspeicheldrüsen- OPs macht, dass viele Krankenhäuser gesetzliche Mindestmengen unterschreiten. Was machen Sie in Heidelberg bei komplexen Bauchspeicheldrüsen- Operationen besser als kleinere Krankenhäuser? Zunächst einmal möchte ich betonen, dass die Gleichung groß gleich gut und klein gleich schlecht falsch ist. Denn das würde ja bedeuten, dass in den großen Kliniken alles gut läuft und in den kleinen nicht. Das stimmt aber nicht. Die kleinen Krankenhäuser machen sogar manche Eingriffe besser, weil sie mehr Erfahrung damit haben. Und umgekehrt gilt das auch für die großen Häuser. Können Sie das erläutern? Es geht um Spezialisierung.

Es gibt Daten, die zeigen, dass in sogenannten kleineren Krankenhäusern zum Beispiel Leistenbruchoperationen besser operiert werden als in großen Kliniken. Warum? Weil kleinere Krankenhäuser viel mehr Erfahrung damit haben. Es geht also nicht um Groß gegen Klein, sondern um Erfahrung. In der Bauchspeicheldrüsenchirurgie erzielt man ein gutes Ergebnis, wenn eine Klinik eine große Zahl von Spezialisten vorhält. Das kann sich ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung nicht leisten. Deshalb können hochkomplexe Pankreas-Eingriffe dort nur mit geringerer Sicherheit für die Patienten geschehen. Warum? Das liegt daran, dass Bauchspeicheldrüsen- OPs extrem anspruchsvoll und sehr gefährlich sind. Die Bauchspeicheldrüse produziert das Sekret, das alles, was wir essen, verdaut: Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate – die gleichen Bestandteile, aus denen der menschliche Körper besteht. Wenn dieses hochaggressive Bauchspeicheldrüsensekret austritt, verdaut es alles, was ihm in den Weg kommt. Alles stirbt ab, was mit diesem hochgiftigen Sekret in Kontakt gerät. Das kann für einen Menschen tödlich sein. Darin liegt die Gefahr der Pankreas- Chirurgie. Wenn man also einen Teil des Pankreas entfernt, wie wir es häufig bei Tumoren machen, bleibt ein Teil des Pankreas übrig, der mit dem Darm verbunden wird. Die Nähte sind extrem anspruchsvoll und können leicht reißen, weil das Pankreas sehr weich ist. Dann läuft Sekret in den Bauchraum. Und dann beginnt die Katastrophe Das heißt? Im bundesweiten Durchschnitt Schnitt aller Kliniken sterben etwa 10 Prozent der Patienten nach einer solchen Bauchspeicheldrüsen- Operation. In Zentren sind es deutlich unter 5 Prozent, bei uns sind es aktuell 2,9 Prozent.

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Pressebericht Rhein-Zeitung am 04. Juni 2019

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