53. AdP e.V. – Bericht zum Bundestreffen in Bochum am 3. bis 5. Mai 2019

Lutz Otto zum Vorsitzenden wiedergewählt –
Beate Hahn zum Ehrenmitglied ernannt – Wissenschaftliche Hauptveranstaltung mit über 300 Teilnehmer hervorragend besucht

Alle zwei Jahre richtet der AdP bundesweit ein mehrtägiges Treffen seiner Mitglieder sowie eine wissenschaftliche Hauptveranstaltung in Kooperation mit Medizinexperten aus.

Bild- Impressionen zum Bundestreffen in Bochum

Anfang Mai war es wieder soweit: das 53. Bundestreffen fand vom 3. bis 5. Mai in Bochum statt. Rund 100 Mitglieder folgten der Einladung ins Ruhrgebiet. Lutz Otto wurde zum zweiten Mal infolge zum Vorsitzenden gewählt.
Das dreitägige Treffen wurde insbesondere durch die wissenschaftliche Hauptveranstaltung geprägt. Den wissenschaftlichen Teil richtete der AdP gemeinsam mit Professor Dr. Waldemar Uhl und seinem Team vom St. Josef Hospital aus. Medizinexperten und Wissenschaftler berichteten zum derzeitigen Forschungsstand und blickten auf das bislang Erreichte zurück. Über 300 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil.

Traditionell fand zu Beginn des Treffens am ersten Tag die Mitgliederversammlung mit anschließenden Vorstandswahlen statt. Lutz Otto und Professor Uhl begrüßten alle Teilnehmer herzlich im Hörsaal der Klinik. Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch richtete ebenfalls Grußworte an die Gäste: „Herzlich Willkommen in Bochum. Schön, dass Sie da sind. Sie sind eine starke Selbsthilfeorganisation mit rund 1500 Mitgliedern. Sie wachsen, werden stärker. Das spricht wirklich für sich. Aufgrund der engen Vernetzung mit Medizinern und Fachorganisationen bieten Sie bei dem Erkrankungsbild Hilfe in schwierigen Situationen.“

Vorstandswahlen

Anschließend stellte Lutz Otto den Bericht des Vorstands vor. Er bedankte sich hierbei besonders für die Unterstützung der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH) und zeigte sich beeindruckt vom stabilen Anstieg der Mitgliedszahlen in den vergangenen zwei Jahren. „Wir konnten seit 2017 über 200 Mitglieder hinzugewinnen, und haben ebenso in dieser Zeit rund 300 Veranstaltungen durchgeführt. Auch können wir 89 Kooperationen vorweisen, das freut uns außerordentlich“, so Otto bewegt. Im Anschluss an den Bericht überreichte er der völlig überraschten AdP-Geschäftsstellenleiterin, Beate Hahn, die Ehrenmedaille des Verbandes. „Frau Hahn ist seit neun Jahren für uns tätig, immer engagiert, höflich und loyal gegenüber allen. Wir sind ihr sehr dankbar“, erklärte der Vorsitzende. Diese zeigte sich sichtlich gerührt.
Danach stellte die zweite stellvertretende Vorsitzende, Barbara Hübenthal, den Kassenbericht vor. Der Vorstand wurde nach einer kurzen Aussprache einstimmig entlastet sowie ebenfalls die neue Satzung genehmigt. Auch wurden seitens Professor Michael Poll drei neue Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates vorgestellt. Ab sofort unterstützen beratend Professor S. Roland Crone (Uniklinikum Magdeburg), Professor Jonas Rosendahl (Uniklinikum Halle) und Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Kraux (Sana-Klinikum Lichtenberg) den AdP.

Es folgten die Neuwahlen des Vorstandes unter der Wahlleitung von Horst Neuendorf. Lutz Otto wurde mit einer Enthaltung zum neuen Vorsitzenden gewählt, er nahm die Wahl freudig an. Er wird erneut von Friedhelm Möhlenbrock (1. Stellv. Vorsitzender), Barbara Hübenthal (2. Stellv. Vorsitzende), Hartmut Kotyrba (Beisitzer), Manfred Lechner (Beisitzer), Andrea Raih (Beisitzer) sowie neu von Birgit Fricke (Beisitzer) unterstützt. Nach den Wahlen fand ein gemeinsames Abendessen in der Klinik statt, die Teilnehmer tauschten sich rege aus.

Wissenschaftliche Veranstaltung

Am zweiten Tag des Bundestreffens fand die wissenschaftliche Hauptveranstaltung zum Thema „Krebs und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse – Quantensprung in der Behandlung“ unter der Leitung der Herren Otto und Professor Uhl im RuhrCongress in Bochum statt. Die beiden Ausrichter sowie die Patientenbeauftragte des Landes NRW, Claudia Middendorf und Bochums Bürgermeisterin Astrid Platzmann-Scholten begrüßten über 300 Gäste im Saal. Die sonst so routinierten Redner zeigten sich sichtlich beindruckt von der hohen Teilnehmerzahl.

Ernährung und moderne Diabetes-Therapie

Im ersten Teil folgten Vorträge zu den Themen Ernährung, Stoffwechsel, moderne Diabetes-Therapie sowie die Folgezustände nach Pankreasoperationen. Ernährungsberaterin Christine Kling und Professor Juris Jendrik Meier, Leiter des Diabeteszentrums des Klinikums, informierten zum aktuellen Stand. Kling empfahl eine persönliche Diätberatung in Anspruch zu nehmen. „Dies kann Ihnen nur gut tun“, so die Expertin. Frau Kling sprach über das Diabetesrisiko nach der Teilentfernung des Pankreasschwanzes. „Nach solch einer Operation sind normalerweise die Blutzuckerwerte automatisch höher als vor der Operation. Nicht jede Operation führt zu einem Diabetes, nach 3,5 Jahren liegt diese Möglichkeit bei 26 Prozent“, so Meier. Er sei selbst überrascht, wie gering das Diabetesrisiko bei einer Teilentfernung sei, so der Mediziner weiter. Bei Diabetes mellitus empfehle er ausschließlich die Insulintherapie. „Medikamente, wie Metformin beispielsweise, werden hier auch eingesetzt, haben aber leider zu viele Nebenwirkungen und dies insbesondere im Magen- und Darmbereich“, betonte er. Hingegen sei nach einer Entfernung der Bauchspeicheldrüse die Behandlung des Diabetes alles andere als einfach. „Die Magenentleerung ist gestört, Blutzuckerverläufe verändern sich“, erklärte Meier. Der Einsatz moderner Diabetestechnologie, die wirklich einen Quantensprung in der Behandlung des Diabetes darstelle, unterstütze jedoch den Patienten sehr.

Patientenbericht

Nach einer kurzen Pause berichtete AdP-Mitglied Hannes Berg über sein Leben nach der Entfernung der Bauchspeicheldrüse. Berg erkrankte im Alter von 37 Jahre an einem Pankreaskarzinom. „Man fragt sich zu Beginn nach der Diagnose: Wie geht es weiter, mit der Familie, mit der Firma und meinen Mitarbeitern? Ich hatte in dieser Zeit ein Unternehmen mit 20 Angestellten. Mir hat seinerzeit der Kontakt zum AdP hier sehr geholfen. Heute, 21 Jahr später, gehöre ich zu den glücklichen Menschen, die die Fünf-Jahresmarke überstanden haben und vieles mehr. Kämpfen lohnt sich“, erklärte Berg. Er betonte auch, dass die Krankheit für Angehörige schwer zu verkraften sei. „Sie durchleben sie ebenso. Um Angehörige kümmert sich jedoch leider oft niemand, nur um Patienten“, sagte 58-Jährige.

Pankreaskarzinom, Risiken

Professor Anke Reinacher-Schick, leitende Onkologin im Klinikum, informierte nach Bergs Bericht aus medizinischer Sicht zum aktuellen Stand in der Therapie des Pankreaskarzinoms. „Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der aggressivsten Krebsformen. Wir haben eine ganz große Notwendigkeit uns zu kümmern. Es kann jeden treffen“, betonte die Medizinern. Risiko seien das Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss und Übergewicht. Auch die Familiengeschichte sei wichtig. Die Therapieentscheidung werde vom Alter des Patienten beeinflusst. „Was ist das Ziel der Therapie? Geht es um Lebensqualität, Überlebensverlängerung zu erhalten und zu verbessen? All das sind Themen, die wir offen mit dem Patienten besprechen“, erklärte sie.

Komplementärmedizin, Mitgliederbefragung

Anschließend sprach Professor André-Michael Beer, Klinikdirektor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen, zur Komplementärmedizin bei Erkrankungen des Pankreas. Er sprach sich sehr für die Misteltherapie aus. „Diese ist seit 1917 sehr bekannt. Studien zeigen, dass die Misteltherapie gut greift. Mittlerweise gibt es dazu über 2000 wissenschaftliche Arbeiten und 130 klinische Studien“, so der Mediziner.
Professor Berthold Gerdes vom Johannes Wesling Klinikum in Minden stellte abschließend die Ergebnisse einer AdP-Mitgliederbefragung zum Erkrankungsbild vor.

Austausch in Gesprächsgruppen

Nach den Vorträgen und einer längeren Mittagspause konnten sich die Teilnehmer mit den Medizinern und Wissenschaftlern in unterschiedlichen Gesprächsgruppen austauschen. Abschließend bedankten sich die Ausrichter bei den Experten und Teilnehmern. Das nächste Bundestreffen findet im Mai 2021 in Halle an der Saale statt. (Text und Fotos: Brigitte Papayannakis)

 

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Einladung zum Bundestreffen 2019

 

 

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