„Lernort Selbsthilfe“ Seminar 2019 des AdP e.V.

Ein moderner Begriff und zugleich das Motto des Regionalgruppenleiterseminars des Arbeitskreises der Pankreatektomierten e.V.,
welches am letzten Septemberwochenende im thüringischen Eisenach stattfand. Am Donnerstagnachmittag angekommen bekamen die Teilnehmer und die vereinzelt mit angereisten Angehörigen dann direkt einen Vorgeschmack auf das bevorstehende Seminar‐ Wochenende. Nachdem der Bundesvorsitzende des AdP e.V. Lutz Otto ein paar einleitende Worte sprach und einige neue Gesichter in den Reihen der Gruppenleitungen vorstellte, hielt Susanne Berthold (PhD) einen überaus interessanten Vortrag über neue Bluttests zur Pankreaskrebs‐

Früherkennung (IMMray PanCan‐d), welche kurz vor ihrer voraussichtlichen Markteinführung im Jahr 2020 stehen. Dieses sehr innovative Diagnostikverfahren soll es den Medizinern künftig ermöglichen, Pankreas‐Krebs und auffällige Gewebeveränderungen an der Bauchspeicheldrüse schon zu erkennen, bevor etwaige Tumore stark wachsen können oder gar auf andere Organe streuen. Frau Berthold (PhD) stellte sich nach ihrem Vortrag dann noch den zahlreichen Fragen der Teilnehmer zu dieser Thematik, sodass der Anreisetag mit einem anschließenden Abendessen ausklingen konnte. Am Freitag in aller Frühe waren alle Angereisten gespannt auf die Dinge, die da kommen sollten, denn das Motto „Lernort Selbsthilfe“ war zwar in aller Munde, jedoch konnte man sich noch nicht genau vorstellen, was genau sie bedeuten. Nach der Begrüßung der Referenten und Seminar‐ Leiter wurde das „Geheimnis“ gelüftet.

Die Seminarreihe „Lernort Selbsthilfe“ wurde in den letzten Monaten in enger Kooperation von Vereinsvorstand und einem dreiköpfigen Experten‐Team für Schulungen und Seminare, welches von Christine Kirchner angeleitet wurde, sehr gewissenhaft vorbereitet und besteht letztendlich aus vier Modulen. Zwei dieser vier Module sollten an diesem Wochenende behandelt werden und die Module 3 und 4 dann auf dem nächsten Gruppenleitertreffen. Die Teilnehmenden verteilten sich auf drei Teams. Das Modul 1 „WIR‐der AdP e.V.“ startete sodann mit der Vorstellung des AdP e.V. und dessen Zielen. Die sehr interessante Entstehungsgeschichte des Vereins wurde recht anschaulich dargestellt. Für einige der Angehörigen war sicher neu, dass der AdP unter anderem durch einen sehr hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat unterstützt wird, der sich aus weltweit sehr angesehenen Medizinern zusammensetzt. Es wurden in diesem Modul sowohl die Visionen des Vereins als auch die Strukturen und Gremien vorgestellt. Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teilbereichen wurde ebenso thematisiert wie die Kooperation mit den verschiedensten Ämtern und Organisationen wie Krankenkassen, Kliniken, Ärzten, Kommunen, Dachverbänden und vielen anderen. Motivierend wirkte auch der Modul‐Teil über das Zusammenwirken und die Kommunikation der Gruppen mit den leitenden Gremien des Vereins. Die „kurzen Wege“ für das Einreichen von Innovationen und unterstützenden Ideen an den Vorstand und die Fachgremien wurden von den Teilnehmern positiv herausgestellt. Die Kernaussagen dieses Moduls waren eindeutig: „Regeln dienen der Orientierung, Vereinfachung, Konfliktvermeidung und der Qualität. Spannungsfelder erkennen und zur Weiterentwicklung nutzen. Ein Ehrenamt bedeutet Rechte und Pflichten. Die Vereinsstruktur unterstützt uns.

„WIR ALLE sind der AdP e.V.“ Mit einem tollen WIR‐Gefühl im Bauch wurde dann der theoretische Teil des ersten Moduls beendet und sollte nach dem gemeinsamen Mittagessen in einen praktischen „WIR‐Teil“ münden. Dabei fuhren die „Seminaristen“ gemeinsam auf die Wartburg und konnten ihr neu gewonnenes Wissen dabei in zahlreichen Gesprächen weiter verinnerlichen. Die hochinteressante Führung auf der Wartburg wäre sogar für weniger kulturell Interessierte ein guter Grund, die Gegend in und um Eisenach vielleicht noch einmal genauer zu erkunden. Nach der Rückkehr in das Seminar‐Hotel wurde gemeinsam zu Abend gegessen und man ließ Tag bei interessanten Gesprächen ausklingen.

Projektleiterin Christine Kirchner
Foto: ©2019 Hans Berg

Am frühen Veranstaltungs‐ Samstag startete dann das Modul 2 „Organisation und Selbstfürsorge als Gruppenleitung des AdP e.V.“ und sollte nicht minder spannend werden als das erste Modul am Vortag. Die Rolle in einem Ehrenamt galt es zu besprechen.Es wurden Möglichkeiten aufgezeigt und diskutiert, mit denen man die Selbsthilfeberatung als Gruppenleiter anbieten kann, ohne sich selbst und die eigene Erkrankung dabei aus dem Auge zu verlieren. Während der Diskussion um dieses schwierige Thema wurde auch der Erstkontakt beziehungsweise die telefonische Kontaktaufnahme eines Patienten mit der Gruppenleitung durchgespielt und unter den Aspekten der Selbstfürsorge betrachtet.

„Zuhören – Verstehen – Antworten“

so könnte man das gerade gelernte zusammenfassen, jedoch ohne sich selbst dabei aufzureiben. Das Vier‐Ohren‐Modell von Schulz von Thun war sehr hilfreich für die Teilnehmer, um Gespräche mit Hilfesuchenden entsprechend einzuordnen und danach zu handeln. So können Dringlichkeiten gefiltert und nach Prioritäten abgehandelt und bearbeitet werden. Während der Selbstfürsorge ‐Diskussion wurde erarbeitet, wie man seine eigenen „Batterien“ wieder aufladen kann, ohne sich von seinen inneren Antreibern („Sei perfekt“, „mach es allen recht“, „sei stark“ usw.) zu sehr in die Enge treiben zu lassen. Nach der sehr motivierenden aber auch anstrengenden Diskussion um die Balance zwischen der Sorge um Andere und der Selbstfürsorge endete auch dieser Seminartag. Das anschließende Mittagessen wurde nochmal genutzt, um ein paar neue und alte Kontakte unter den Gruppenleitungen zu pflegen, bevor man sich voneinander verabschiedete.

Das Modul 2 machte also Lust auf mehr und die Gruppenleitungen sind alle sehr gespannt auf Modul 3 „Öffentlichkeitsarbeit und Auftreten“ und Modul 4 „Gruppenarbeit und Nachfolge“ dieser Seminarreihe, welche sich im nächsten Jahr fortsetzen wird.

Bericht von Matthias Seebo, RG 39 Magdeburg

 

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